Was ist wichtig bei der Wahl des Hochzeitsfotografen?

10. Mai 2020

Viele Paare die anfangen Ihre Hochzeit zu planen suchen sich als Erstes die Location und als Zweites den Fotografen oder Videografen. Somit stehen die meisten vor der Frage: Welchen Fotograf sollte man auswählen? Was ist wichtig bei der Wahl des Hochzeitsfotografen? Was beachten, worauf achten?

Warum gibt es so viele Hochzeitsfotografen?

Zunächst wird man als Brautpaar von der schieren Masse der vielen Fotografen erschlagen. Etwa 95% (Quelle: Bauchgefühl) der Fotografen machen dies nebenberuflich. Sie sind Steuerberater oder Lehrer und bieten Hochzeitsfotografie am Wochenende an, da sie als Hobby gerne fotografieren. Dies bringt natürlich Brautpaare vor die Herausforderung den Richtigen zu wählen – denn schöne Fotos und Homepages haben alle. Viele glauben, dass die Aufträge einem nur so zufliegen, wenn man selbstständiger Hochzeitsfotograf ist. Dies ist nicht der Fall und der Markt ist mit der immer weiter steigenden Zahl an Fotografen hart umkämpft.

Nicht von fake Brautpaarshootings täuschen lassen

Ihr seht in einem Portfolio wunderschöne Paare die auch Models sein könnten? Meist sind es tatsächlich gebuchte Models und keine echten Hochzeiten. Gleichzeitig assoziiert man die hübschen Models damit, dass der Fotograf ja richtig gut sein muss, weil das Paar ja so hübsch aussieht.

Hier ein paar Tipps woran ihr ein Fake/Styled/Workshop Shooting erkennen könnt:

  • das Paar ist wunderschön(wenn ihr selbst keine Models seid, werden die Fotos eventuell nicht genauso aussehen. Bei Models ist es leicht schöne Fotos hinzubekommen. Die Frage bleibt somit, ob dieser Fotograf es schafft auch normale Menschen schön abzulichten
  • es ist wunderschönes Licht, mit einer wunderschönen Location und wunderschöner Deko – ein sogenannter Styled Shoot/Inspirationsshoot
  • Ihr seht wenige (bis 5) oder gar keine Gäste
  • es gibt keine Hochzeitsreportage und nur Brautpaarfotos
  • dieses eine Brautpaarshooting hebt sich von den restlichen Fotos des Fotografen ab

Bei Workshops wird man von einem anderen Fotografen angeleitet und die anderen 5-10 Workshopteilnehmer machen mehr oder minder die gleichen Fotos. Zudem hat man alle Zeit der Welt, was bei Hochzeiten meist nicht der Fall ist. Oft entstehen diese Fotos an exotischen Locations.

Somit der ultimative Tipp: entscheidet nicht nach einzelnen schönen Fotos, sondern schaut euch ganze Reportagen an.

Was ist der Unterschied zwischen Hobby- und Berufsfotografen?

Diese Frage finde ich immer faszinierend. Denn bei Fotografen scheint es für viele Außenstehende kaum Unterschiede zwischen Hobby- und Berufsfotografen zu geben. Man lasse sich mal folgende Frage kurz durch den Kopf gehen lassen:

  • Was ist der Unterschied zwischen Hobby- und Berufsärzten?

Bei Ärzten sind die Auswirkungen natürlich viel größer. Aber auch bei Hochzeiten hat man keine zweite Chance. Letztlich liegt es daran wie wichtig euch die Fotos sind. Wollt ihr euch diese noch Jahrzehnte später anschauen? Der Tag wird für euch im Flug vorbeigehen und viele “echte” Erinnerungen werden nicht lange bleiben. Am Ende bleiben nur noch die Fotos und Videos.

Als Berufsfotograf ist man 7 Tage die Woche mit Fotografie und der Betriebsführung beschäftigt. Als Hobbyfotograf begleitet man vielleicht 5 Hochzeiten im Jahr, bei mir sind es etwa 30-50. Abgesehen davon fotografiere und filme ich auch andere Genres und beschäftige mich somit das ganze Jahr mit der Foto- und Videografie.

Hinzu kommen Dinge wie Zuverlässigkeit und konstante Qualität. Bei guten Berufsfotografen ist es unwahrscheinlich, dass diese ohne Ersatz absagen, überfordert sind oder falls die Kamera kaputt geht, keine Ersatzkamera haben. Auch habe ich schon viele Geschichten gehört bei denen sich der Fotograf entweder vor(besser) oder gar nach(schlechter) der Hochzeit nicht mehr gemeldet hatte. Oft lag es nach der Hochzeit daran, dass dieser die Fotos nicht mehr hatte.

Sicherlich gibt es auch die talentierten Hobbyfotografen von denen immer gesprochen wird. Jeder Cousin eines Freunds kennt einen. Davon gibt es jedoch sehr, sehr wenige.

was beachten hochzeitsfotograf

Preisunterschiede

Worin man als Brautpaar aber vor allem Unterschiede sieht, sind die Preise. Die einen Fotografen sind froh, wenn sie Fotos bei der Hochzeit machen dürfen und Essen erhalten, die anderen berechnen 400€ pro Stunde. Oft kommt schnell das Gefühl, dass man einen “Hochzeitsaufschlag” zahlen muss – dies ist allerdings überhaupt nicht der Fall.

Auf die billigen und kostenlosen Fotografen werde ich nicht weiter eingehen. Sicherlich hat nicht Jeder Unsummen an Geld, wofür solche Fotografen sicherlich eine bessere Wahl als ein Onkel mit seiner Kamera sind.

Somit kommt man zu den hochwertigen Fotografen die meist zwischen 150-400€ verlangen. Eins vorab: der Preis sagt überhaupt nichts über die Qualität aus, es gibt auch mittelmäßige Fotografen die sehr teuer sind. Jeder Hochzeitsfotograf kann so viel oder so wenig verlangen wie er möchte. Letztlich liegt es oft am Bekanntheitsgrad wieviel ein Fotograf verlangt bzw. verlangen kann. Dies ist auch kein Ausnehmen der Brautpaare, sondern ganz normale Betriebsführung. Sonst würde das neueste Iphone nicht viel über 370€ kosten – dies sind die Herstellungskosten für die Geräte die für über 1000€ verkauft werden. Schließlich muss man (als Berufsfotograf) davon leben. Die einen möchten nur 15 Hochzeiten pro Jahr begleiten und sind entsprechend teurer, die anderen 50.

Wonach sollte man also den Hochzeitsfotograf auswählen?

Hier habe ich euch eine Checkliste zusammengestellt:

  • wie ist die Kommunikation? Erhaltet ihr schnell eine Antwort?
  • erhaltet ihr ausführliche Antworten oder kurze lustlose Sätze?
  • Hobby- oder Profifotograf?
  • Mehrere, ganze Reportagen anschauen (60-100 Fotos reichen)
  • besitzt der Fotograf Ersatzausrüstung?
  • wird im Krankheitsfall ein Ersatzfotograf angeboten?
  • sind die Preise inklusiver aller Kosten wie Reisekosten und Mehrwertsteuer?
  • erhaltet ihr alle Fotos in maximaler Auflösung?
  • falls es euch wichtig ist: in welcher Kleidung kommt der Hochzeitsfotograf zur Hochzeit? Es gibt Fotografen die in zerissenen Jeans kommen.

Letztlich solltet ihr den Fotografen vor allem aussuchen nach:

  • welche Erfahrung/Fähigkeiten hat der Fotograf belegbar mit Hochzeiten? “Ich fotografiere seit ich 5 bin” zählt nicht als Erfahrung.
  • dem Bildstil: moody, hell, klassisch elegant, entsättigt oder kontrastreich, modern und fröhlich.
  • der Persönlichkeit, dem Auftreten und ob ihr euch gut versteht
  • nicht dem Preis. Wer an Fotos/Videos spart, wird sich noch 40 Jahre später darüber ärgern. Ans Essen erinnert sich eine Woche später niemand mehr, die Fotos habt ihr für den Rest eures Lebens.